Freitag, 24. November 2017

Die Reproduktion im Zeitalter ihrer technischen Überflüssigkeit



Copy. Mich hat die Idee der Vervielfältigung immer fasziniert. Mehr oder weniger beruht unsere Zivilisation darauf, Kopien herzustellen, denn kopiertes Wissen ist geteiltes und gemeinsames Wissen. Zunächst sind es Mönche, die in den Klöstern die Bibel und andere Schriften abschreiben – sie erschaffen Kopien, doch diese Kopien sind andererseits Unikate ihrer eigenen Handschrift. Übrigens war es in den Skriptorien regelmäßig so, dass die zu kopierende Schrift von einem Lesemönch diktiert wurde und mehrere Schreibmönche gleichzeitig dem Diktat folgten – denn sonst hätte immer nur eine einzige Kopie von einem Original gleichzeitig angefertigt werden können. Der Beginn der abendländischen Kopierkultur ähnelt also eurer Klassenarbeit in der Grundschule, als Fräulein Schröder „Fuchs und Gans“ diktierte und ihr kleinen Schreibmönche mit eurem Pelikano das Vorgesagte in euer Heft kopiert habt.
 





Raubkopierer (Ende 12. Jhdt., Quelle: Wikipedia)
 



Der Buchdruck revolutioniert die Vervielfältigung – denn schließlich sind tausend Kopien mindestens tausend Vervielfältigungen eines Wissens, einer Idee, einer Theorie und sind Die Zehntausend Gebote. Dabei hat Gutenberg nicht einmal originär neue Technologien entwickeln, sondern die vorhandenen Technologien wesentlich effektiver miteinander verkoppelt. Vor allem entwickelte er den Setzkasten mit beweglichen Lettern, der es ermöglichte, so schnell zu setzen wie ein kleiner Mönch schreiben konnte – aber er schuf damit etwas völlig Neues: die Vorlagen, die Zwischenträger, mit denen man viele andere Exemplare herstellen konnte. Der Mönch schuf aus einer Vorlage und einem Diktat nur eine einzige Kopie – Gutenberg hatte immerhin 180 Kopien der Bibel gedruckt. Ich fand es übrigens stets bemerkenswert, dass er die Bibel als erstes Buch druckte. Einerseits logisch wegen ihrer Wichtigkeit, andererseits ist der Umfang erschreckend, denn die Bibel hat 4,4 Mio. Zeichen inklusive Leerzeichen. Er hätte es wohl leichter gehabt, erst einmal bescheiden mit „100 Neue Ostfriesenwitze“ anzufangen.









Bibel, 1. Auflage (Quelle: Bodleian Library)




In den folgenden Jahrhunderten macht die Druck- und Kopiertechnik kontinuierliche Fortschritte. Die Innovationen reformieren den Kopierprozess von beiden Seiten: einmal bei der Herstellung der Druckvorlage (Satzapparate, Fotosatz etc.), andererseits in der Verbesserung des Druckapparates selbst, der notwendigen Zwischenträger und der Papierlogistik (v.a. Druckwalzen, Druckwerke etc.). Wichtig zu sehen: die Verfahren sind ganz überwiegend industriell, und bis heute spricht man nicht zufällig von der Druckindustrie. Die größten Rollenoffset-Druckmaschinen sind auch heute ungefähr so groß wie ein Zweifamilienhaus. Für uns in den Zehnerjahren ist es keineswegs mehr selbstverständlich, dass Medien in einem „industriellen Prozess“ hergestellt werden. Die industrielle Herstellung einer gedruckten Zeitung aber ähnelt tatsächlich der industriellen Herstellung von Butterkeksen oder Filzpantoffeln. Das hat Konsequenzen, denn der industrialisierte Druckprozess agiert damit ähnlich wie ein Türsteher, wenn Inhalte für die Kopie zugelassen werden sollen: erst wenn ein hinreichend großer Teil des Publikums ein tatsächliches oder vermeintliches Interesse an der Kopie hat, können die Fixkosten der Einrichtung des Produktionsprozesses (Satzkosten, Belichtung, Proof, Cromaline, Andrucke, Druckwalzen) erfolgreich verrechnet werden. Das war übrigens in der Musik-Industrie, der zweiten großen Kopier-Industrie, ganz ähnlich. – Es wird immer eine uneinholbare, niemals wieder gut zu machende narzisstische Kränkung für die Redakteure des SPIEGEL, der ZEIT, der WELT, von ARD und ZDF etc. sein, dass unserereins, eine undiplomierte und ungewaschene Bagage, in der Öffentlichkeit sichtbar ist und Öffentlichkeit produziert, weil ihr Kopiermonopol nicht mehr wichtig ist.









Abzug von der Urschrift (Brockhaus 1952)

 
Zurück zur Vervielfältigung. Natürlich gab es immer schon Bedarf nach Kopien in kleiner und privater Auflage. Wie kopiert der kleine Mann und die kleine Frau? Sie kopieren mit einem Matrizenapparat. Die Illustration stammt aus einem Brockhaus aus dem Jahr 1952. Die Vorlage war eine Folie, ähnlich wie Kohlepapier, mit einem alkohollöslichem Wachs beschichtet. Auf diese Matrize wurde mit Schreibmaschine oder Stift geschrieben. Fotos waren natürlich nicht möglich. Deshalb konnte man mit Matrizendrucker auch keine Kopien von Kopien herstellen, sondern man schreibt zunächst das Original. Das ist hier wichtig: der Inhalt der Kopie ist ein Original, das auf die Druckvorlage durchgedrückt wird. Mit so einem Gerät konnten bis zu 100 Kopien gezogen werden, dann ist die Matrize erschöpft.





Ich habe mal in alten Papieren gewühlt und euch so eine Matrizenkopie aus meinen Schulsachen gescannt.



  




Viel Erfolg! (Abgabe: 11.25 Uhr)

 

Die violette Farbe war typisch, ebenso der seltsame Geruch der Kopien, ein wenig wie Spiritus, wir haben dann nach Verteilung der Klassenarbeit daran gerochen, um uns klausurvorbereitend ein wenig auf den Trip zu schicken. Ihr seht hier eine Erziehungswissenschaft-Klausur aus dem Oktober 1981. „Schläge haben noch nie jemandem geschadet“ wird zur Diskussion gestellt. Ich argumentierte, der Spruch sei ein zentrales Motto verantwortungsvoller Erziehung (Teilaufgabe 1), diese Erziehungsmethode würde keine Probleme verursachen, sondern sie lösen (Teilaufgabe 2) und warum alternative Erziehungsmethoden, wenn man alles mit einer ordentlichen Tracht Prügel lösen kann (Teilaufgabe 3). Das Herummalen kam übrigens erst zur Nachbesprechung aufs Blatt, sonst steht da nur mein Name und „Autorität“, ja, ich wußte immer schon sofort, worauf es ankommt. Ich habe übrigens eine Zwei dafür bekommen. Toll an EW war, dass fast nur Mädchen im Kurs saßen, und sie alle haben gestrickt, natürlich ausnahmslos Originale, denn sie hätten das gar nicht hinbekommen, einen ihrer unförmigen Pullover aus Norwegerwolle noch einmal nachzustricken und zu kopieren.    






 Neben zwischengelegten Kohleblättern gibt es auch noch Papier mit der hübschen Bezeichnung „selbstdurchschreibend“. Das ist dann sozusagen eine Autokopie. Wahrscheinlich ist das gesamte Internet inklusive Korrespondenz, Postings, Chats ebenfalls selbstdurchschreibend, und eine gelbe Kopie lagert in Fort Meade bei der NSA. Beängstigend? Ach nein, seid doch mal praktisch: wenn einer von euch das Internet verklüngelt, das kann ja mal passieren, dann hätten wir immer noch eine Kopie von allem (auch wenn sie gelb ist).

Und weiter. Wir gewöhnten uns daran, ein physisches Buch nicht als Kopie, sondern als Original zu sehen, weil wir es fotokopieren konnten. Nun ist also der Inhalt einer Kopie eine andere Kopie. Die hohe Zeit der Buchfotokopie war natürlich das Studium, wenn ein wichtiges Fachbuch 58,-- DM kostete, die Kopie aber nur 12,-- DM, plus natürlich der Kopieraufwand im Copyshop, aber Zeit hatten wir damals ja damals wie in einem Abschreibekloster. Das Literaturverzeichnis ließ man natürlich weg, 1,-- DM gespart. Ich habe auch einige Studenten kennen gelernt, die offenbar glaubten, durch die Erstellung einer Fotokopie würde das im Buch niedergelegte Wissen gleichsam per magischer Durchschrift gleichzeitig in ihr Gehirn eingespeichert. Das stimmte allerdings nicht. Ein ähnliches magisches Verfahren ist das farbige Anstreichen ganzer Passagen mit Textmarker, sozusagen ein Fluoreszenzzauber, aber das funktionierte annähernd gleich schlecht.








Die erste Fotokopie der Welt, 1938 (Quelle: www. xerox.com)




Parallel war aber etwas sehr Wichtiges passiert: man konnte nicht nur Text kopieren. Sondern auch Geräusch. Und Musik war eigentlich nur auch Geräusch. Es kam die große Zeit der Compact Cassette. Wie gesagt, der Inhalt einer Kopie ist eine andere Kopie, und bei der Cassette ist interessant, daß ihre Formatierung prinzipiell anders ausgelegt ist als das Original (das auch eine Kopie ist). Eine LP hat auf beiden Seiten vielleicht 25 Minuten, die Cassette auf beiden Seiten jeweils 45 Minuten. Das erfordert schwerwiegende Kopierentscheidungen: entweder das Weglassen von ein oder zwei Liedern oder ein Hurenkind auf der Cassettenseite B. Andererseits erlaubt die Cassette, anders als die Fotokopie (vom Herumschnipseln mal abgesehen), das freie Kompilieren kopierter Musik, also die Erschaffung von etwas Neuem durch eine singuläre Zusammenstellung bestehender Originale/Kopien (was wohl aus den Cassettenmädchen geworden ist?). Das ist technikgeschichtlich viel wichtiger als auf den ersten Blick ersichtlich, und wird uns gleich noch einmal begegnen.





Kopierrohling eines I.G.-Farben-Nachfolger (Detail)
  


Ein seltener Fall des Kopiermehrwerts, als würde man ein blasses Originalpapier im Kopierer mit mehr Kontrast versehen. Allerdings gab es auch einen Schmerz , und das war das Rauschen. Das Rauschen war gewissermaßen der auratische Tribut der Cassettenkopie. Wir entwickelten druidenartiges Geheimwissen für möglichst geringe Auradefizite (Dolby beim Aufnehmen ja – beim Abspielen nicht, niemals C120 Cassetten, niemals Kopien von einer Cassette), aber so richtig zufrieden waren wir in unserer Chromdioxidzeit nur im Auto, weil es da von draußen noch lauter hineinrauschte. „Kannst du mir das mal aufnehmen“, hieß die vielgestellte Frage, mit der man einen heutigen Zwanzigjährigen in völlige Verwirrung stürzen würde (Zwanzigjährige Leser: stellt euch „Aufnehmen“ so ähnlich wie „Teilen“ vor, ok?)

Anfang der Achtziger erobert die Vervielfältigung dann auch das Audiovisuelle, mit der Videocassette. Darauf findet man entweder Kopien von TV-Sendungen, die man aufgezeichnet hat (wie schön sich diese Formulierung in diesem Zusammenhang fügt – aufzeichnen, als wären wir Mönche im Skriptorium) oder aber industrielle Kopien aus der Videothek. Jetzt gerade, 2017, schließt gerade hier die letzte Videothek in der Gegend, das größere Wunder ist allerdings, wie lange sie überlebten. Auf eine vertrackte Weise war die Videothekcassette auch ein Original, und man muß für jeden Tag Leihe extra zahlen, da der Videothekar diese Kopie (dieses Original) nicht an andere Leute verleihen konnte. Meine Eltern waren 1982 wirkliche Early Adopters und so war ich ein halbes Jahr lang so beliebt wie nie vorher und nachher in meinem Leben, weil man bei mir Zwei Glorreiche Halunken und Butch Cassidy & Sundance Kid angucken konnte, zu Zeiten, wenn man es einfach wollte (es wollten viele, und oft). Mein beliebtes halbes Jahr verging rasch. Insgesamt ist die Videocassette ein besonders bizarrer Irrweg der Kopierevolution. Man konnte nicht mal richtig etwas kompilieren, die Videocassette war wie ein mönchisches Wegschreiben eines audiovisuellen Diktats. Letztes Jahr las ich dann in der FAZ, der letzte Hersteller von Videorecordern habe die Produktion endgültig eingestellt, weil Zulieferer wichtige Teile nicht mehr liefern können, sondern deren Eigentümer sitzen nur noch traurig und einsam in der Pförtnerloge ihrer verlassenen Fabriken und weinen ihrer goldenen Videozeit nach.



Aus meiner Zeit als beliebter Mensch

  
Übrigens geschah Ähnliches auch für das Kino. Früher war es ein Zeichen der Bedeutung und Herrlichkeit, mit einigen hundert Kopien die Kinos zu fluten. Die Kopien waren schwere, unhandliche Filmrollen. Heute klingt es weniger beeindruckend, wenn man sagen würde, man sei bei Stirb Langsam 6 mit 300 USB-Sticks unterwegs. Ja, USB killed the Moviestar.
Nun überschreiten wir die Schwelle zum Digitalen. Und hier wird ein neuer Träger wichtig: die CD und später die DVD. Während die Umstände ihrer primären Konfiguration geradezu possierlich sind (die Spieldauer orientiert sich an Beethovens Neunter, das Mittelloch ist so groß wie ein holländisches 25ct-Stück), so revolutionierte die CD das Kopiergeschäft gleich von mehreren Flanken aus. Sie ist natürlich digital, das heißt sie Turingmaschinen-geeignet, was bedeutet, der CD ist egal, was auf ihr drauf ist, ob Musik, Bilder, Filme, Software, Daten, was auch immer. Das ist ein deutlicher Unterschied zum Blatt Papier, zur Compact Cassette, zur Videocassette, die nur Abbildung, Musik, Film können, und man kann auf sie nur kopieren, was sie selbst sind. Diese neue Eigenschaft der beliebigen Inhalte kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die CD ist nicht nur Kopie einer bestimmten Kopie, sie kann Kopie von allem sein, sie ist unbestimmt.  
Der nächste wichtige Punkt war der Verlust des Verlusts – auf CDs gibt es kein Rauschen, es sind identische Kopien, was nach Verbreitung geeigneter Geräte und Software (eine heißt bezeichnend: „Nero“) die Musikindustrie beinahe in einen ähnlichen Status wie die vergammelnden ägyptischen Könige geschickt hätte. Das Einzige, woran es der Kopie mangelte, war das Artwork, aber etwas Abstriche bei der Auradekoration sind bei 20 € Ersparnis leicht zu verschmerzen. – „Kannst Du mir das mal brennen?“ (Zwanzigjährige Leser: stellt euch „Brennen“ so ähnlich wie „Teilen“ vor, ok?)
 
Es dauerte kaum einige Kopierjahre, da geschah der nächste Umsturz: die Vorlage löst sich völlig von ihrem Träger. Ich beziehe das im Folgenden hauptsächlich auf Audio, obwohl für Text, Bild, Film es genau so oder ähnlich gilt. Denn nun taucht etwas auf, war wir schon bei der Compact Cassette verstanden haben: nicht der Träger inklusive Inhalt wird kopiert, sondern der Inhalt, auf einen anderen Träger, der eine andere Konfiguration, andere Speicherkapazitäten etc. hat. Es ist der MP3-Datei völlig egal, ob sie auf CD, DVD, USB-Stick, Festplatte und wo auch immer gespeichert wird. Mit entsprechender Hardware steigen auch die Kopierkapazitäten, mit der Netzgeschwindigkeit die Austauschmöglichkeiten – einige Zeit lang entwickelt sich das Internet zu einem riesiger Kopierapparat, der die Musik von den Besitzenden zu den Beladenen verteilt, die es wiederum an andere Besitzende und Beladene weitergeben, die sich nicht einmal gegenseitig kennen. Die Welt erleidet einen gigantischen Kopierkurzschluß, sie wird eine kommunistische Kopierinternationale, welche die Fesseln mönchischer Ordens- und Kopierregeln endgültig hinter sich lassen konnte.






Kopien zusammenschalten





Eine Zeitlang sah es tatsächlich so aus, also hätte die Welt den Ehrgeiz, sich selbst zu kopieren, und ihre Bewohner in Torrents zu verwandeln, die sich selbst hochladen, während sie die Mitmenschen herunterladen. Aber – die Geschichte der Kopie geht anders weiter. Es geschieht etwas Bemerkenswertes, aber auch völlig Logisches. Warum ist denn eigentlich eine Kopie notwendig, wenn ich jederzeit Zugriff auf die Daten, Informationen, Sachen habe? Wofür brauchst du eine Kopie? Und plötzlich sehen alle: der Kopierkaiser ist nackt. Du brauchst keine DVDs. Du brauchst Netflix. Du brauchst keine CDs. Du braucht Spotify. Warum soll deine Musik auf einer Festplatte liegen, wenn das Hundertfache, Tausendfache an Musik auf einem Server in Stockholm, Cupertino oder Takatukaland vorhanden ist und du jederzeit darauf zugreifen kannst?
Ich selbst habe das Ende des musikalischen Kopierzeitalters seelisch noch nicht verdaut. Meine Kopierkarriere begann mit Compactcassetten, beim CD-Brennen war ich eifrig dabei, beim MP3-Sammeln schier begeistert. Es war mir nicht wichtig, auf welches Medium ich kopierte. Wichtig war es, daß es nachher meines war. Ich habe mittlerweile erkannt, das es ein völlig atavistisches Jagd- und Sammelfieber ist, irgendwo zwischen Leopard und Eichhörnchen. DU MUSST ES NICHT BESITZEN, das ist die wichtigste Erkenntnis meiner Zehnerjahre, die allerdings so langsam wie eine Methadoninfusion in meine zerstochenen Kopierjunkieadern hineintropft. Du mußt es nicht besitzen. Mit Streaming und Cloud-Diensten wird legales und illegales Kopieren überflüssig: warum der ganze Streß, wenn du für 10 Euro, ungefähr der Gegenwart einer Doppel-LP im Jahr 1980, alle Musik seit Anbeginn der Welt zur Hand hast. Du mußt es nicht besitzen. Allerdings werden die Abo-Geschäftsmodelle bei Audio und Video im Verlagswesen nicht funktionieren, da unsere Verarbeitungskapazität von Büchern viel geringer ist. Für Musik und Film sind wir schnell genug, nicht aber für die Schrift. Ich bin sehr gespannt, wie es dort weitergehen wird, aber ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, es wird keine Kopierwelt.




Extrem schwierig zu kopierendes Original (Quelle: Wikipedia)




Wenn man das alles weiterdenkt, werden interessante Phänomene auftreten: die Anzahl der Kopien wird massiv zurückgehen. Im Extremfall – denken wir das einmal so weit – wird es nur noch ein einziges Original geben, das nur temporär über Streams dupliziert wird, sich aber sofort löscht wie eine Radiosendung der Funkstunde Berlin von 1931. Das auratische Original liegt auf einem hochgesicherten Server (ich stelle mir so etwas vor wie den Louvre) und performativ an die Millionen Hörer in Stadt und Land weiterverteilt, die es nicht kopieren, weil sie es nicht kopieren können. Und weil sie es nicht kopieren wollen. Darin liegt eine gewisse Ironie: wir bewegen uns wieder rückwärts in die Zeit, zurück in die Zeitalter der nicht kopierten Originale. Es gibt nicht mehr eine Million Mona Lisen, sondern nur noch eine Einzige, die ihre Bilder an jeden Platz der Welt schickt. Die Kopie ist überflüssig geworden. Sie ist umständlich aufzubewahren, kostet eventuell sogar Geld und ist urheberrechtlich heikel. Wir brauchen keine Kopien mehr. Die Kopiermönche werden aus den Klostern gejagt - jeder Gläubige hat auf seinem Device einen Zugriff auf das originale Wort Gottes.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen